Jedem Kompliment folgt ein Arbeitsauftrag….

Können Sie nein sagen?

Haben Sie das auch schon erlebt, dass Sie da nicht nein sagen wollen oder können. Meine Tochter ist darin eine wahre Meisterin die mit der unschuldigen Suggestivfrage ankommt:

„Papa, du kennst dich doch mit Computern aus?“
„Ja“.
„Und du bist doch bei euch für die EDV zuständig?“
„Ja“. „Und du bist doch derjenige der die Firma am Laufen hält? “
„Ja, aber klar!“
„Du, ich habe da eine Kleinigkeit an meinem Notebook, kannst du mir dabei helfen? „

Dieser kleine Dialog, der dem einen oder anderen von Ihnen nicht unbekannt sein dürfte, läuft auf den unterschiedlichsten psychologischen Ebenen ab:

(1) die meisten von uns suchen nach Anerkennung (Lob tut gut),

(2) wer dreimal „ja“ gesagt hat dem kommt ein „nein“ nicht einfach über die Lippen (Verkäufer reden von der Ja-Straße) und

(3) einen Appell an die Mitmenschlichkeit (hier besonders an die weibliche Hilfsbedürftigkeit in technischen Dingen) lehnt man nur schwer ab.

Schon ist die Falle zugeschnappt und ehe man es selbst merkt, sitzt man den ganzen Abend an einem total zugemüllten Notebook.

 

Im Arbeitsalltag sind solche Situationen auch häufiger anzutreffen und bevor man merkt, was der Chef einem wieder aufs Auge gedrückt hat gibt es kein Zurück mehr. Was läuft da eigentlich in uns ab und wie können wir solchen Situationen bewusster meistern? Was sind einige der Fallen in die wir stolpern?

 

Zunächst ist das unser Selbstbild der „umsichtigen Führungskraft“, die Verantwortung übernimmt, strategisch denkt und häufiger mal mehr übernimmt als im Arbeitsvertrag steht. Man möchte ja auch weiterkommen und Einsatz zeigen.
Dann gibt es Menschen mit ausgeprägtem Harmoniebedürfnis, die nie Nein sagen können. Gefährlich ist hierbei, was unsere Weisheit der Woche treffend wiedergibt: „Wer nicht Nein sagen kann, der wird sein Ja oft nicht halten können“.

Und dann sind  da noch die Perfektionisten, denen 90% nicht reichen, und auch  100% sind nicht genug. Richtig gut und zufriedenstellend wird es erst so ab 115%.

Letztendlich sind es immer Rollenkonflikte und unterschiedliche Wertehierarchien der beteiligten Personen, die solche „Fallen“ verursachen. Jeder von uns hat eine eigenes Wertesystem, das unser Verhalten bestimmt. Was ist uns wichtig in unserem Leben, was ist uns wertvoll? Dagegen stehen die Wertesysteme anderer Personen: Was will mein Chef? Was will meine Familie? Was wollen meine Kollegen?

Um mit den unterschiedlichen Wertehierarchien umgehen zu können und solchen „Fallen“ zu entgehen, muss zunächst die Selbsterkenntnis erlangen werden: Was sind die wirklichen Beweggründe für unser Handeln, wo gibt es Konflikte zwischen unseren Werten und was bedeutet das für uns?

Der Einstieg kann über ein Buch oder einen Vortrag erfolgen, besser sind aber ein Coaching oder ein handlungsorientiertes Seminar.

Denn nur, wenn wir die wahren Beweggründe unsers Handelns kennen, können wir vom Automatismus zum bewussten Entscheiden kommen und das bedeutet auch, dass man eine Wahlmöglichkeit hat. Dann werden die Situationen, in denen man so ein ungutes Gefühl spürt ohne es an irgendetwas bestimmten festmachen zu können, zur Vergangenheit gehören.

Jede Reise ins Neue beginnt mit dem ersten Schritt und so wünsche ich ihnen viel Spaß mit der Erkundung ihrer Werte.

Ihr Georg Bayer

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