Weiterbildung – warum ich?

Lieber Leser,

gehören Sie auch zu denjenigen Arbeitnehmern, die sich gerne ständig weiterbilden? Dann gehören Sie leider immer noch zu einer Minderheit. Denn dem Statistischen Bundesamt zufolge hatten 2011 nur 5,8 Prozent der befragten Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren in den vier Wochen zuvor an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Im gesamten Jahr 2010 nahmen nur 13 Prozent der Erwerbstätigen an individueller berufsbezogener Weiterbildung teil.

Warum wird die berufliche Weiterbildung in Deutschland so wenig genutzt? An der Bereitschaft des Arbeitgebers, sich in irgendeiner Weise zu beteiligen, kann es nicht liegen. Immerhin gaben 87% der Unternehmen in eine Forsa Umfrage¹ an, die Weiterbildung teilweise zu finanzieren, 34% finanzieren die Weiterbildung sogar vollständig. 25% zahlen ihren Mitarbeitern nach erfolgreichem Abschluss eine Prämie.

Vielmehr liegt es sehr oft an der persönlichen Situation des einzelnen. Einige Menschen sind einfach lernmüde. Sie haben eine Ausbildung oder ein Studium hinter sich und vielen Jahre im Büro oder im Betrieb verbracht, in denen man sich vielleicht sogar hochgearbeitet hat. Warum also noch mal neu anfangen? Diese Vermutung bestätigt die Statistik, dass sich 2011 nur 3,7% der 50- bis 64 Jährigen in den vier Wochen für eine berufliche Weiterbildungsmaßnahme entschieden haben.

Viele junge Leute haben ebenfalls „kein Bock“ auf Weiterbildung, nachdem sie eine Ausbildung oder gar ein Studium erfolgreich hinter sich gebracht haben – durchaus verständlich. In der Altersgruppe der 15 bis 24 Jährigen hatten sich 2011 nur 3,8% an Kursen und Lehrgängen der beruflichen Weiterbildung beteiligt.

Und wieder andere haben ihren Beruf komplett aufgegeben, haben vielleicht Kinder, sind eigentlich ausgelastet mit ihrer Eltern- und Haushaltstätigkeit. Ist es da denn so unbedingt nötig, sich noch einmal zu bilden?

Dabei muss man niemanden erklären, welche Nutzen Weiterbildung allgemein und im Beruf besonders für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bietet.

Im Wort „Weiterbildung“ steckt das Wort „Bildung“, und Bildung alleine ist für jeden von uns ein Vorteil. Dazu kommen aber auch weiche Vorteile wie Anerkennung, Selbstbewusstsein und Zufriedenheit. So gaben in einer anderen Forsa Umfrage² aus 2011 immerhin 80% der Befragten an, dass ihnen eine Weiterbildung mehr Kompetenz und Sicherheit im Beruf gebracht habe. Jeweils 62% nannten mehr Selbstbewusstsein und mehr Zufriedenheit als persönlichen Nutzen. Immerhin gaben noch 54% die Anerkennung durch den Arbeitgeber und Kollegen an. Nur 34% sahen finanzielle Vorteile.

Für diejenigen unter Ihnen, die sich aufgrund ständig ändernder Gesetze, Regeln, Normen und Technologien (Ärzte, Anwälte, Steuerberater usw.) weiterbilden müssen, reicht die zwingende Anpassung an neue Anforderungen sicher aus.

Auch der Arbeitgeber profitiert von der Weiterbildung seiner Mitarbeiter, ohne Frage. Weiterbildung bedeutet mehr Wissen, mehr Kompetenz und höhere Qualifikation. Weiterbildung kann die Arbeit erleichtern und damit Produktionsprozesse verkürzen.

Kommen wir zu der Eingangsfrage zurück: Wenn Sie zu denjenigen Arbeitnehmern gehören, die sich gerne ständig weiterbilden, nutzen Sie eine Chance, die jedem in Deutschland geboten wird und die nur wenige wahrnehmen. Sollten Sie nicht dazu gehören, wird es Zeit, darüber nachzudenken.

In jedem Fall würden wir uns sehr freuen, Sie demnächst bei einer Weiterbildungsveranstaltung unseres Hauses begrüßen zu dürfen.

Und hier noch ein Link zur „Zeit-Online“, passend zum  Thema:
„Dazulernen, bitte!    Weiterbildung findet kaum statt, dabei wäre vieles möglich“.

Mit herzlichen Grüßen
Dr. Georg Bayer

¹ Quelle: Institut für Lernsysteme, Forsa-Umfrage, Dezember 2011
² Quelle: Euro-FH Hamburg; Institut für Lernsysteme, Forsa-Umfrage, April 2011

Foto: © nyul – Fotolia.com

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