Der Chef hat immer Recht – oder nicht? Richtig streiten mit dem Chef.

Sie kennen vielleicht die beiden Regeln, die immer wieder an den Kühlschränken der Kaffeeküchen und den Pinboards der Büros hängen:

Regel 1. Der Chef hat immer Recht.
Regel 2. Sollte er mal nicht Recht haben, gilt automatisch Regel 1.

Das ist natürlich humorvoll zu verstehen, aber vielleicht auch nicht. Darf man wirklich dem Chef widersprechen? Darf man gar mit ihm streiten? Oder kostet das gleich den Job?

Gerade zum Jahresbeginn stehen in vielen Unternehmen die Mitarbeitergespräche (z.B. für eine Gehaltserhöhung oder eine neue Zielvereinbarung) an. Nicht selten sind Mitarbeiter und Vorgesetzt hier unterschiedlicher Meinung. Aber auch im Arbeitsalltag und in Projekten kommt es oft zu Meinungsverschiedenheiten. Gut so! Denn eine Streitkultur und ein gutes Konfliktmanagement sind wichtig für ein funktionierendes Unternehmen. Das gilt auch für die Mitarbeiter-Chef-Beziehung.

Doch wie geht man in ein Streitgespräch mit Vorgesetzten / mit Mitarbeitern hinein und wieder hinaus?
Wir stellen Ihnen ein paar Tipps und Informationen von Experten vor, die Ihnen helfen sollen, Konflikte sauber zu lösen – ob als Vorgesetzter oder als Mitarbeiter.

Konfliktarten und Eskalationsstufen
Der Konfliktforscher Friedrich Glasl hat insgesamt sechs Konfliktarten definiert. Diese sind

1. Innerer Konflikt
2. Sozialer Konflikt
3. Interessenkonflikt/Zielkonflikt
4. Wertekonflikt
5. Rollenkonflikt
6. Beziehungskonflikt

(vgl. Trainerwiki)

In Unternehmen finden wir meistens Interessen- oder Zielkonflikte, Werte- und Rollenkonflikte. Oftmals hat der Chef einfach ein anderes Verständnis von gestellten Aufgaben, einer Zielvereinbarung oder der Rollenverteilung im Team oder im Projekt. So weit, so gut.

Friedrich Glasl hat aber nicht nur die Konfliktarten definiert, sondern auch ein Modell mit neun Eskalationsstufen entwickelt, die wiederum in drei Ebenen mit jeweils drei Abstufungen unterteilt sind.


Quelle: Sampi, wikipedia.org, Modell der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl, CC-by-sa-2.0

In Stufe 1 verhärtet sich ein Problem, auf Stufe 2 wird darüber diskutiert. Kommen die Beteiligten nicht zu einer Lösung, kommt es zu Stufe 3: Nun machen sie von Taten statt Worten Gebrauch. In Stufe 4 schließen die Gegner Koalitionen. Eskaliert ein Streit weiter, kommt es in Stufe 5 zum Gesichtsverlust. Der Gegner wird öffentlich bloß gestellt. In Phase 6 drohen sich die Parteien. Es kommt zur ersten Vernichtungsschlägen (Stufe 7), der andere soll vernichtet werden (Stufe 8 ) – bis beide am Ende gemeinsam in den Abgrund stürzen (Stufe 9).

Passende Deeskalations- und Konfliktlösungsstrategien
Besonders wichtig ist hier, dass Glasl – je nachdem, in welcher Stufe sich die Beteiligten befinden – auch gleich die passenden Deeskalations- und Konfliktlösungsstrategie bereitstellt.

Stufe 1–3: Moderation
Stufe 3–5: Prozessbegleitung
Stufe 4–6: sozio-therapeutische Prozessbegleitung
Stufe 5–7: Vermittlung/Mediation
Stufe 6–8: Schiedsverfahren/gerichtliches Verfahren
Stufe 7–9: Machteingriff

Details dazu finden Sie bei Wikipedia.

Mit diesen Informationen können Sie in Zukunft abschätzen, ob Sie und Ihr Vorgesetzter/Mitarbeiter einen Konflikt noch selbst lösen können oder externe Hilfe benötigen. Am besten lassen Sie es gar nicht bis zur Stufe 4 kommen. Stufe 6 wäre schon sehr problematisch.

Doch genug der Psychologie. Praktische Tipps für eine Konfliktlösung gibt die Expertin Ursula Wawrzinek bei bild.de.

Und auch wir haben ein paar Tipps für Sie, wenn ein Konfliktgespräch mit dem Vorgesetzten unausweichlich ist.

Keine Angst
Haben Sie keine Angst vor dem Gespräch! Wenn ein Problem unausgesprochen bleibt, staut sich der Frust nur auf. Sprechen Sie frühzeitig darüber, auch wenn Ihr Chef ein Choleriker ist und ggf. ausrastet. Machen Sie sich Mut! Es muss einfach sein, denn sonst leiden nur SIE.

Richtig vorbereiten
Gerade bei Problemen, die sich langsam und Schritt für Schritt aufbauen, können Sie sich gut vorbereiten. Führen Sie detailliert Buch über die Vorkommnisse, die Sie stören. Das wird Ihnen helfen und macht Sie sicherer. Denn so können Sie sachlich argumentieren und konkrete Beispiele nennen.

Cool und sachlich bleiben
Wenn ein Konflikt plötzlich und unerwartet entsteht und eskaliert, ist eine Vorbereitung natürlich nicht möglich. Hier hilft nur cool und sachlich zu bleiben.Versuchen Sie sich darauf zu konzentrieren, was Sie erreichen wollen. Erinnern Sie sich an Argumente, die Sie sich vielleicht irgendwann mal überlegt haben. Stellen Sie Fragen, akzeptieren Sie auch den Standpunkt des anderen.
Vermeiden Sie unbedingt, gegenüber Ihrem Chef ausfallend zu werden, ihn zu beleidigen. Eine Kündigung im Affekt ist ganz ungünstig.

10 Tipps, wie Sie Ihren Chef erziehen
Damit es erst gar nicht zu dauernden Streitereien und Konflikten mit dem Chef kommt, haben wir hier noch 10 Tipps für Sie bei spiegel.de gefunden, wie Sie Ihren Chef erziehen.

Wie sieht Ihre persönliche Strategie aus bei Konflikten mit dem Chef?

Foto: © BlueSkyImages – Fotolia.com

Ein Gedanke zu “Der Chef hat immer Recht – oder nicht? Richtig streiten mit dem Chef.

  1. Dominik Novak
    14. Januar 2014

    Da es sich beim Chef um eine Autoritätsperson handelt, die auch eine gewisse Macht besitzt, ist die Scheu vor einem Konflikt groß. Obwohl viele Mitarbeiter wissen dass sie im Recht sind, geben sie klein bei um nicht negativ aufzufallen. Besser Konfliktvermeidung als sich dem Konflikt stellen lautet die Devise. Jedoch wäre es oftmals besser, seine Meinung aktiv zu vertreten und Durchsetzungsvermögen zu zeigen. Auch wenn dies der unbequemere Weg ist. Bei unangenehmen Gesprächen mache ich mir vorher immer eine genaue Liste: Mit wem habe ich es zu tun, was sind seine Charaktermerkmale? Was sind meine Argumente, wo sind meine Stärken? Wie möchte ich mein Gespräch führen? Energisch? Beschwichtigend? Herausfordernd?
    Macht man sich in vorhinein Gedanken, wie das Gespräch ablaufen könnte, kann man besser auf die Aussagen des Chefs reagieren und wirkt kompetenter.

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