Innovative kleine Unternehmen bilden anders weiter als große

Um ein innovatives Unternehmen mit qualifizierten und kreativen Mitarbeitern führen zu können, sind Weiterbildungen unabdingbar.

Bei Großunternehmen gehören Weiterbildungen zum Standard: Im Jahr 2010 boten nahezu alle Großunternehmen Weiterbildungsmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter an. Rund 70% der Großunternehmen stellten dafür einen schriftlichen Weiterbildungsplan oder ein Weiterbildungsprogramm in Form von klassischen Lehrveranstaltungen sowie anderen Weiterbildungsformen zur Verfügung; 49% der Mitarbeiter dieser Unternehmen nahmen diese Möglichkeit wahr. Im Gegensatz dazu gab es nur in 86% der Kleinunternehmen Weiterbildungsmöglichkeiten und nur bei 21% in strukturierter Form. Dementsprechend wurde dieses Angebot auch nur von 36% der Mitarbeiter genutzt.

Ebenso existiert bei deutlich mehr Großunternehmen ein Jahresbudget speziell für betriebliche Weiterbildung, genau wie die Möglichkeit zur Nutzung eines Bildungszentrums sowie ein konkreter verantwortlicher Ansprechpartner zu diesem Themenbereich. Diese Aspekte weisen daraufhin, dass die Förderung der Weiterbildung in kleinen Unternehmen sowohl weniger ausgeprägt ist, als auch deutlicher unorganisierter abläuft.

Bieten Kleinunternehmen also keine adäquate Weiterbildung an oder ermöglichen sie zumindest? Laut der vierten europäischen Erhebung zur Weiterbildung in Unternehmen (CVTS4) findet sich der größte Teil innovativer Unternehmen gerade in Betrieben mit maximal 10-49 Beschäftigten. Der scheinbare Widerspruch lässt sich damit erklären, dass Kleinunternehmen andere Prioritäten bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter setzen und dementsprechend auch eine andere Methodik verwenden: So gestaltet sich die Weiterbildung in Kleinunternehmen deutlich flexibler und mit alternativen Lehrformen; im Jahr 2010 wurde von 78% der kleinen Unternehmen Weiterbildung durch Unterweisungen am Arbeitsplatz, Lernzirkel, Informationsveranstaltungen oder selbst gesteuertes Lernen praktiziert.

Inhalt der Weiterbildungen in 60% der Lehrveranstaltungen war die gezielte Schulung technischer, praktischer und arbeitsplatzspezifischer Fähigkeiten, statt einer breit gefächerten Fortbildung in allgemeinen Kenntnissen, wie Büro- und Verwaltungstätigkeiten, professionell IT-Kenntnisse und Fremdsprachen.

Neben diesem Unterschied zu Großunternehmen wird in Kleinunternehmen außerdem das nötige Know-how durch Neueinstellungen von qualifiziertem Fachpersonal erworben und damit das mögliche Defizit an Weiterbildungsmöglichkeiten auf Grund von zu hohen Kosten oder zu hoher zeitlicher Belastung ausgeglichen. Ebenso versuchen diese Unternehmen durch Reorganisation die bereits vorhandenen Qualifikationen ihrer Mitarbeiter optimal zu nutzen; durch das Angebot betrieblicher Erstausbildung wird zudem die Möglichkeit geschaffen, neue Mitarbeiter nach dem Erfordernis des Unternehmens zu schulen.

Ein wichtiger Faktor bei innovativen Kleinunternehmen ist schließlich die Tätigkeit der Mitarbeiter selbst. Durch die Einführung neuer Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren erweitern die Mitarbeiter ihre Qualifikation am Arbeitsplatz selbst und nutzen dadurch praxisnahe Weiterbildung.

Weitere Informationen zu den Studienergebnissen finden Sie unter https://www.destatis.de

Ein Gedanke zu “Innovative kleine Unternehmen bilden anders weiter als große

  1. Sebastian
    12. Januar 2015

    In vielen Punkten ist das Vorgehen in der Unternehmensgröße wohl begründet und entfaltet auch Vorteile bei der Weiterbildung am Arbeitsplatz. Gefährlich wird es nur wenn der Anschluss bei IT Thematiken verpasst wird, da diese Kenntnisse, relativ gesehen am schwierigsten mit den beschriebenen Massnahmen aufzubauen sind und dadurch entstehende Versäumnisse zu einem echten Wettbewerbsnachteil werden können.

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